Überregionale, kleinere Aktionen

Neben den jährlichen großen Sommeraktionen finden auch weitere – meist von den Regionalgruppen angeregte und koordinierte – überregionale Lebenslaute-Aktionen statt.

Überregionale Auftritte seit 2010:

Lausitzer Braunkohlerevier, 13.-16. Mai 2016 (Pfingstwochenende): Vokal-Instrumental-Ensemble beim Besetzungsaktionenwochenende „Ende Gelände“, vgl. Fotos und Videos.
– Radio-Feature Vom Widerstand gegen Braunkohle: „Germany’s next Wendland“, Deutschlandfunk, 18.04. 2017 (Audio mit Text und Fotos, Gerhard Klas)

Aachen, 1.9. 2014: Verleihung des Aachener Friedenspreises 2014 an unser gesamtes Netzwerk LEBENSLAUTE

Kehl/Straßburg, 18.5. 2014: Einige Lebenslaute Baden-Württemberg mit Lebenslauten Rhein-Main sangen gegen Mittag einige musikalische Wegstärkungen zur Unterstützung des Protestmarsches „March for Freedom“ von Straßburg nach Brüssel

8.5. 2014: Bekanntgabe, dass neben dem internationalen Preisträger „Code Pink“ unser Netzwerk LEBENSLAUTE den Aachener Friedenspreis 2014 erhält

Frankfurt/Main, 14.9. 2013: Musikalische Begleitung (Vokalquartett, Klavierquartett und Streichtrio) der Pro-Asyl-Menschenrechtspreisverleihung (Haus am Dom) www.proasyl.de.

 

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Truppenübungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide (nördlich von Magdeburg), 27.7.2013: Konzert auf einer Mahnwache an dem ehemaligen Ort Salchau auf dem Truppenübungsplatz Altmark im Rahmen des Aktionstags des „war-starts-here camps“ (21.-29.7.)

Am 26.7.2013 trafen sich vier Lebenslauteleute im „war-starts-here“-camp in der Altmark. Dort war für den Folgetag ein Aktionstag angekündigt, an dem verschiedene Gruppen unterschiedlichste Aktionen in und um das Gefechtsübungszentrum Altmark (GÜZ) vorhatten.

Hintergrund

Die Lebenslaute schlossen sich einer Gruppe an, die eine Mahnwache auf dem GÜZ abhalten wollte. Die Mahnwache war an einem geschichtsträchtigen Ort geplant, Salchau, an dem ein Kriegerdenkmal von 1933 steht und gepflegt wird. Der Ort wurde 1935 abgerissen und die Menschen umgesiedelt, um dort einen riesigen Truppenübungsplatz zu bauen. Heute stehen an dem Ort, der mitten im Sperrgebiet liegt, nur noch das Kriegerdenkmal (nach dem 2. Weltkrieg zerstört, 1995 wieder aufgebaut) und ein paar neu errichtete Häuser, die zu Kampfübungen dienen.

Der Ort steht also für die Vertreibung von Menschen aus kriegerischen Gründen. Außerdem weist er auf den paradoxen Sachverhalt hin, dass gerade auf einem Platz der Kriegsvorbereitung Kriegsopfern gedacht wird.

Deshalb war uns Salchau sehr wichtig für die Mahnwache und unser Konzert, und deshalb wollten wir die Mahnwache dort durchführen, wo sie angemeldet, aber nicht genehmigt worden war. Das ganze Gelände des GÜZ ist nämlich für die Öffentlichkeit gesperrt.

Anreise

Unsere Gruppe aus 12 Leuten, die sich auf dem Camp gebildet hatte, fuhr also noch am Vorabend des Aktionstages los, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, unbemerkt auf das Gelände zu gelangen, das am Aktionstag selbst wahrscheinlich stärker bewacht sein würde.

Gleich nach unserer Abfahrt aus dem Camp hängte sich ein weiteres Auto an unsere Kolonne. Es machte alle Abbiegungen, Umwege und Abkürzungen mit, so dass wir schließlich versuchten, es los zu werden, indem wir uns etwas vom GÜZ entfernten. An einer Ampel erlangten wir etwas Vorsprung, den wir nutzten, um in einem Dorf in einen verborgenen Weg einzubiegen, wo wir einige Zeit im Dunkeln verharrten. Danach ging es    wieder Richtung GÜZ, über  einen Waldweg, der unsere Autos recht forderte.

Schließlich gelangten wir also mitten in der Nacht auf das Gelände, schwer bepackt mit Instrumenten, Noten, Notenständern, Hockern, Verpflegung, literweise Wasser und Schlafsachen, da wir hofften, vor unserem Konzert noch etwas ruhen zu können. Dazu kam es aber nicht, denn unser Schlupfloch ins Gelände war recht weit von Salchau entfernt, und so stapfen wir über sandige Wege durch Wald und Heide, begleitet vom vollen Schein des halben Mondes, dem sonoren Knarren der Ziegenmelker (Nachtschwalben) und dem sonoren Knattern eines Helikopters, vor dem wir uns immer wieder unter Bäumen verstecken mussten.

Während der etwa vierstündigen Wanderung in den Morgen hinein konnten wir schon mal ein paar Vokalstücke proben.

Konzert

Als wir uns gegen 6:00 Uhr dem Ort der Mahnwache näherten, waren dort schon einige Leute! Leider waren es keine Mahnwachen­teilnehmerInnen, sondern Feldjäger. Wir bemerkten uns gegenseitig etwa 300 Meter vor Salchau. Wir hatten noch die Hoffnung uns verstecken zu können, also duckten wir uns in eine kleine Mulde im tiefen Gras. Wir hielten unsere Instrumente bereit und konnten unsere Entdeckung pünktlich und feierlich-beschwingt mit einem Bärentanz untermalen. Die Kommandorufe der Feldjäger bemerkten wir kaum. Sie umzingelten uns und während sie auf die Polizei warteten, konnten wir uns mit Hilfe der anderen TeilnehmerInnen nach und nach halbwegs konzertmäßig einrichten, d.h. Hocker und Ständer aufbauen, das Transparent „Lebenslaute statt Bombengetöse“ aufspannen und notdürftig stimmen. Leider war alles ein bisschen hektisch, denn wir wussten nicht, wie schnell die Polizei eintreffen würde, und ein bisschen Konzert wollten wir doch geben. Wir waren ein Trio aus Gitarre, Flöte und Geige. Zuerst spielten wir ein paar Folk-Stücke und gingen dann in den Vokalteil über. Die Schütz-Sätze „Wohl denen die da wagen“ und „Wie nun ihr Herren“ eigneten sich inhaltlich wunderbar. Die afrikanischen Stücke hoben die Stimmung, die ja etwas getrübt war wegen unserer frühen Entdeckung.

Als die Polizei eintraf, schwand unser Publikum allmählich, da die ZuhörerInnen zur Personalien-Aufnahme weggeführt wurden. Wir kamen als letzte dran. Leider ließen sie nicht alle von uns das Lied zu Ende singen. Ansonsten waren die PolizistInnen freundlich. Nach der ID-Klärung hatten wir noch mal Wartezeit, die wir mit einer Art „Wunschkonzert“ überbrückten: vom Publikum ausgewählte, gemeinsam gesungene Lieder mit Gitarrenbegleitung („Die Gedanken sind frei“, „Die Moorsoldaten“).

Schließlich wurden wir in einen Gefangenentransporter gequetscht (ausgelegt für 8 Leute), und sollten in einer kurzen Fahrt in einen Nahe gelegenen Ort außerhalb des Sperrgebietes gebracht werden. Da aber die Zusammenarbeit zwischen den Feldjägern und der Polizei nicht optimal war und teilweise Barrikaden den Weg versperrten und die BeamtInnen sich nicht so gut auf dem Gelände auskannten, nahm die Fahrt einen endlosen Charakter an, so dass mehrere Pipipausen gemacht werden mussten, und wir schließlich wieder die Instrumente auspackten. Wir spielten und sangen spanische Lieder begleitet von Geige und Gitarre.

Weiteres Konzert

Nicht weit von dem Ort, an dem wir schließlich (nach etwa 1 h) raus gelassen wurden, fand gerade eine weitere, diesmal genehmigte Mahnwache statt unter dem Motto „Salchau ist überall“. Diese Gelegenheit nutzten wir zu einem weiteren (4.) Konzert. Wir trafen auf eine engagierte Mitsängerin, so dass wir die beiden Schütz-Lieder im vollständigen Quartett singen konnten. Auch die Folk-Stücke reiften zu einem gehörlichen Niveau heran, so dass wir einen echten Gewinn verbuchen können. Mehrere TeilnehmerInnen bedankten sich bei uns für die Musik, und wir bilden uns ein, auch bei den Feldjägern und PolizistInnen haben die Musik und die Texte einen Eindruck hinterlassen.

Postludium

Nach der Rückkehr auf das Camp wurde ein Auto unserer Gruppe vom Camp weg beschlagnahmt, und zwar mit großem Polizei-Einsatz samt Hubschrauber. Die Alarmbereitschaft der Polizei kam daher, dass in der Nacht in einer Kaserne in Havelberg (90 km nordöstlich von uns) 16 Bundeswehrfahrzeuge angezündet worden waren. Unsere Autos waren in der gleichen Nacht vom Camp aus auf dem Weg zum GÜZ ein Stück in nordöstliche Richtung gefahren und deshalb in Verdacht geraten.  Da ein Zusammenhang zwischen uns und dem Brandanschlag an den Haaren herbeigezogen ist, und dies auch die Polizei weiß, die unsere Personalien ja in Salchau festgestellt hat, sehen wir die Beschlagnahmungsaktion als Versuch, die TeilnehmerInnen des Camps zu kriminalisieren und einzuschüchtern, Letzteres wird nicht gelingen 🙂 !!!

Presse:
„Querflöte, Violine und Feldjäger“, neues deutschland, 31.7.2013:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/828903.querfloete-violine-und-feldjaeger.html

 

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Hambacher Forst, 8.-10. Oktober 2012: Kultur statt Kohle!

Zehn Lebenslaute-Leute unterstützten von Montag Nachmittag bis Mittwoch Nachmittag die Waldbesetzer_innen im Hambacher Forst (Nähe Köln) gegen den RWE-Braunkohletagebau. Am 9. Oktober 2012 blockierten sie mit einem klassischen Konzert zwei Stunden lang den Braunkohletagebau von RWE bei Buir/Kerpen.

„O Täler weit, o Höhen, o schöner grüner Wald“ mit diesem romantischen Lied von Mendelssohn-Bartholdy stoppten zehn Mitglieder des Aktionsorchesters „Lebenslaute“ den Betrieb des Kohlebergbaus. Zusammen mit den Aktivistinnen und Aktivisten, die seit April diesen Jahres den Wald im Hambacher Forst besetzen, hatten sie sich auf den Weg zur Abrisskante gemacht.

Dort konnten sie zunächst unbehelligt ihren „Konzertsaal“ unmittelbar vor dem knapp 100 m hohen Schaufelradbagger aufbauen.

Der Bagger musste daraufhin seine Arbeit einstellen. Nach kurzer Zeit trafen mehrere Polizeikräfte ein, die jedoch von einer Räumung absahen und das Konzert bis zu seinem Ende anhörten.

„Es war ein großer Erfolg, die Arbeiten so lang aufzuhalten, weil die Braunkohle eine der klimaschädlichsten Energiequellen ist. Die Weiterförderung von Braunkohle verhindert den effektiven Ausbau von erneuerbaren Energien.“ argumentiert die Berliner Flötistin Ulrike Müller.

Das bundesweite Aktionsorchester  „Lebenslaute“ verbindet klassische Musik mit zivilem Ungehorsam und bringt seine politischen Überzeugungen durch Konzerte an ungewöhnlichen Orten zum Ausdruck. Im Braunkohletagebau brachte es unter anderem Werke von Georg Philipp Telemann, Heinrich Schütz und Jose Fernandez zu Gehör. „Der wunderschöne Chorsatz aus den Tageszeiten von Telemann besingt die aufgehende Sonne – und erinnert uns daran, woher unsere Energie der Zukunft kommen sollte.“ erklärt Basssänger Berthold Keunecke aus Herford.

Die Aktion ist Teil der 180-Tage Kampagne, mit der die Waldbesetzergruppe den Energiekonzern an den Rodungsarbeiten im Hambacher Forst verhindern will. Die Aktionsgruppe „Lebenslaute“ begründet ihre Unterstützung für die Waldbesetzung mit ihrer Kritik an den RWE als größtem CO2-Emittenten Europas: „Für Kohlestrom heutzutage noch Bäume zu fällen und ganze Dörfer umzusiedeln ist einfach nicht zukunftsfähig.“ meint Geigerin Larissa Gulitz aus Berlin. “Die Energiekonzerne und Energieverbraucher/innen müssen endlich die Konsequenzen daraus ziehen.“

 Auflöung: 1024×768

 

Presse:
Klassische Musik stoppt Kohlebagger, Kölner Stadtanzeiger, 09.10.2012
Klassik vor dem Kohlebagger
, Rhein-Erft Rundschau, 09.10.2012

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Truppenübungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide (nördlich von Magdeburg), 15.9.2012: Musikalische Begleitung der Pflanzung eines Baums der BI Offene Heide für Erika Drees an der Zufahrtsstraße zum GÜZ sowie Konzert auf einer Kreuzung auf dem Truppenübungsplatz im Rahmen des Aktionstag des WarStartsHere-Camps (12.-17. beim TÜP Altmark nördl. von Magdeburg)

Düsseldorf, 21.7. 2012: Flötenquartett-Musik zum Flughafen-Aktionstag gegen Abschiebung des No-Border-Camps Köln/Düsseldorf (Trauermusik zum Totengedenken, kleine 6-Stunden-Dauerkundgebung, etwas Tafelmusik am Airport).

Kassel, 17.6. 2012: Unerlaubt erscheinende Auftaktveranstaltung mit der lokalen Kreativwerkstatt zur Panzerknacker*innen-Aktionswoche „Kassel entrüsten“ (Documenta-Kunstausstellungsgelände unterer Friedrichsplatz). Vgl. 5-Minuten-Video von graswurzel.tv. Nach dem „Waffenhandwerk“-LL-Probenwochenende:

Kasseler Ehrenbürgerschaft A-Punkt-Bode zur Rüstungsstadt

Gorleben, 28.4. 2012: Zweiter LL-Musikblockadetag im Rahmen der Kampagne gorleben365, danach ab Mittag als Teil der „Kulturellen Umzingelung“, gorleben365.de/durchgefuehrte-blockaden.

Berlin, 21.1.2012: Nochmal “Wir haben es satt”-Demo “Bauernhöfe statt Agrarindustrie” mit Wiederaufführung der umgedichteten „Bauernkantate“ von J.S. Bach (von G. Büntzly in imslp.org).

Gorleben, 30.10. 2011: Cirka 40 Musiker*innen blockierten mit der gorleben365-Kampagne die illegitime Atomlager-Baustelle. Mit Klassik und Popmusik. Bericht im Lebenslaute-Newsletter-Archiv und auf gorleben365.de/durchgefuehrte-blockaden.

Berlin, 22.1.2011: “Wir haben es satt”-Demo “Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporten”. U.a. Aufführung der umgedichteten „Bauernkantate“ von J.S. Bach (Chorpartitur + 2 Stimmen von G. Büntzly in imslp.org).

Berlin, 18.9.2010: Konzert im Hauptbahnhof zur Anti-Atom-Großdemo. Vgl. ausgestrahlt.de.