2008 Lübeck: Töne und Klänge

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Töne und Klänge statt Grenzen und Zwänge

LEBENSLAUTE-Aktionstage 14.-19.8. 2008 in Lübeck (Proben, Vor- und Nachbereitung):
Saal-Konzert am 18.8. abends in Lübeck
LEBENSLAUTE-Konzert-Aktion am 19. August 2008 vormittags vor der Bundespolizeiakademie und nachmittags in der Innenstadt im Rahmen des Antirassistischen Camps Hamburg (16.-24.8. 2008)

LEBENSLAUTE vor Frontex in Lübeck

Freie Migration – keine Festung Europa!
Die verzweifelte soziale und wirtschaftliche Lage der Menschen besonders in Ländern Afrikas und Asiens ist weitgehend ein Ergebnis der Wirtschaftspolitik Europas und der USA. Die EU setzt innerhalb und außerhalb ihrer Grenzen ein System von Grenzkontrollen, Lagern und Illegalisierung durch, damit Flüchtende und Migrant_innen gar nicht erst nach Europa gelangen. Andererseits wird oftmals die Illegalität von Migrant_innen in Kauf genommen, weil diese besonders billige Arbeitskräfte sind, die straflos um ihren Lohn geprellt werden können.
FRONTEX ist eine seit 2005 bestehende EU-Agentur mit Sitz in Warschau. Ihr Ziel: Illegalisierte Migration zu verhindern. Die Agentur führt einerseits selbst ,Operationen’ gegen Flüchtende an den EU-Grenzen durch und setzt dabei modernes Gerät ein. Andererseits dient Frontex der Vernetzung bestehender nationaler Grenzpolizeien und Behörden und wirkt bis in die Politik von Ländern wie China, Libyen oder Pakistan hinein. Abkommen mit diesen Ländern sollen Flüchtlingsbewegungen bereits in der Entstehung verhindern. An der Bundespolizeiakademie in Lübeck werden Polizist_innen aus der gesamten EU für die Ausführung dieser Politik geschult.
Als „Wiege der Bundespolizei“, ehemals BGS, rühmt sich die Lübecker Akademie. Die Hauptaufgabe der rund 40.000 deutschen Bundespolizist_innen ist weiterhin der „Bundesgrenzschutz“. Zu Land, zu Wasser und in der Luft soll „die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ verteidigt werden: an allen Staatsgrenzen, grenznahen Gebieten, Bundesbahnanlagen und vielen Flug- und Seehäfen. Eine Querschnittaufgabe dieser Bereiche ist – nach „lagebildabhängigen Personenkontrollen“, also rassistischem Aufspüren und Beobachten – die Jagd auf illegalisierte Ausländer_innen. Ein Gerichtsurteil 2006 sprach deshalb Menschen, die BGSler_innen als „Menschenjäger“ bezeichnet hatten, vom Vorwurf persönlicher Beleidigung frei, da es um eine personenunabhängige politische Kritik dieser Tätigkeiten gegangen sei. Zahlreiche Dokumentationen belegen, wie häufig Bundespolizist_innen auch im Rahmen von Abschiebungen immer wieder Körperverletzungen einsetzen, in Einzelfällen sogar mit Todesfolge.

Widerstandsstrategien
Weltweit organisieren sich Migrant_innen und Unterstützer_innen für Rechte und für freie Migration:
– Im April 2008 führten Arbeiter_innen ohne Aufenthaltsberechtigung (Sans Papiers) in Paris einen mehrtägigen Streik durch. Ein Aufnahmelager ging in Flammen auf.
– In Schweden wurden nach einer Kampane für die Legalisierung der 30.000 abgelehnten Flüchtlinge alle Abschiebegefangenen freigelassen.
– Am 6. Juni 2008 fand in Warschau am FRONTEX-Hauptquartier eine Protest-Belagerung statt. Es gibt Protestcamps u.a. in der Ukraine und in Italien.

Wir werden an der Bundespolizeiakademie zusammen mit lokalen Initiativen, Frontexwatch und Aktivist_innen des Hamburger Antirassismus-Camps die Politik von Frontex und der Bundespolizei anprangern, Öffentlichkeit herstellen und Aktionen Zivilen Ungehorsams durchführen.

Wir fordern:
: Globale Bewegungsfreiheit
: Bendigung der Abschiebungen
: Auflösung aller Lager
: Abschaffung von FRONTEX

Geplantes Musikprogramm:
Dietrich Buxtehude: Kantate „Alles was ihr tut“ (BuxWV4) für Chor, Streicher_innen & B.c. (neuer Text!); Joseph Haydn: Sinfonie 92 G-Dur (Auszug); Clara Schumann: „Vorwärts“ (T: I. Geibel) für Chor a capella; Alexander Borodin: „Eine Steppenskizze aus Mittelasien“ für Orchester; Anne Tübinger: „Was ist der Mensch (ohne einen Pass)?“ (T: B. Brecht) für Chor & Begleitung
+ als Erweiterungsprogramm leichte Chorstücke, große und kleine Kammermusik (gerne nach Vorabsprache), Folk, Improvisation-Sessions, Theater und mehr

Gesucht:
Besonders noch Männerstimmen, Fagott, Horn/Blechblasinstrumente, Kontrabass. Aber auch alle anderen Klangerzeuger_innen, die unplugged eingebracht werden können, sind stets willkommen!

Kontakt / Anmeldung zur Teilnahme:
– Bitte angeben: 1.) eine Mailadresse, eine Postanschrift für Notenversand, Name (am Briefkasten), Stimmlage(n) und Instrument(e), gern auch eine Rückruf-Telefonnummer;
2.) Verpflegung: Vegetarisch (100% Bio/Fairtrade angepeilt). Gibt es Einschränkungen auf vegane Kost oder Unverträglichkeiten?
3.) Wird Kinderbetreuung gewünscht? Wie viele Kinder, welches Alter?
4.) Teilnahmebeitrag: Neben Spenden finanzieren die Teilnehmer_innen selbst die Aktion (max. 12,50 Euro/Tag). Aber auch Finanzschwächere sollen teilnehmen können, der eigene Beitrag kann gegen Ende der Aktionstage je nach Finanzkraft individuell bestimmt werden (für Kinder maximal die Hälfte). (Ausgleich notfalls vom LL-Konto). Ein Zuschuss zu Fahrtkosten ist möglich.
5.) Zeitplan: Wenn ihr für die Zeit nichts Besonderes angebt, erwarten wir euch am 14.8. abends und rechnen mit der Abreise am 20.8. morgens (bei Abreise am 19.8. abends empfehlen wir, uns die geplante Uhrzeit mitzuteilen).

Unter dem Namen Lebenslaute …
… engagieren sich seit 1986 Musikerinnen und Musiker aus ganz Deutschland. Sie bringen ihre überwiegend klassische Musik gerade an den Orten zum Klingen, wo dies nicht erwartet wird: vor den Toren von Atomfabriken, Raketen- und Giftgasdepots, auf Militärübungsplätzen und in Abschiebeflughäfen und Ausländerbehörden.
Ziviler Ungehorsam ist für die Aktion ein zentraler Bestandteil – wobei alle Teilnehmenden selbst entscheiden, ob und wie weit sie Gesetze übertreten.
Wir sind musikalische Laien und Profis, Instrumentalistinnen und SängerInnen, UnterstützerInnen (für Organisatorisches, Kinderbetreuung und Verpflegung) sowie ZuhörerInnen.
Auch in diesem Jahr finden wir uns vier Tage vor der Konzertaktion vor Ort ein. Dann beginnen wir mit dem gemeinsamen Proben der Musikstücke und planen, wie wir bei der Aktion vorgehen wollen. Entscheidungsprozesse gestalten wir basisdemokratisch, die Bedürfnisse und Bedenken aller Teilnehmenden sollen berücksichtigt werden.
Für die Durchführung der Aktion sind wir auf Spenden angewiesen. Spendenkonto: E. Reinhardt, Sparda-Bank Hannover (BLZ 25090500), Kto. 102936992.