2011 Leipzig/Halle: Piano und Forte statt Kriegstransporte

Flughafen Leipzig/Halle: Piano und Forte statt Kriegstransporte

 

>> Aktion

Angekündigt aber nicht angemeldet: Am Sonntag, 4. September, war das Lebenslaute-Orchester in sinfonischer Stärke und ein gemischter Chor gegen 11:30 Uhr vor Ort. Mitten im großen Terminal B nahm sich die Musik-Aktions-Gruppe einen großzügigen Raum als Konzertbühne. Als gleich zu Beginn Hausverbote erteilt wurden, antwortete der Chor mit der Darbietung eines ersten Stücks. Als später von der Flughafenleitung mit Räumung gedroht wurde wenn nicht sofort ein mehr abseits gelegener Ort eingenommen wird, wurde konzentriert weiter musiziert.
Die ankommenden und abfliegenden Fluggäste ebenso wie die rund 150 DemonstrationsteilnehmerInnen erlebten ein ungewöhnliches Konzert auf hohem musikalischem Niveau. Abgerundet wurde die antimilitaristische Protest-Aktion durch Tanz- und Theaterperformances und zahlreiche Transparente, die nach und nach an den Balustraden im Terminal befestigt wurden.

Ziel der Aktion war, so eine Aktivistin der Lebenslaute, die tagtägliche Beteiligung der Bundesrepublik an Kriegen zu skandalisieren und den wachsenden Einfluss des Militärs in unterschiedliche Bereiche des Lebens zurückzudrängen. Kein demokratisch legitimiertes Gremium hat je explizit der militärischen Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle zugestimmt. Dennoch ist der Flughafen ein unverzichtbarer Bestandteil der militärischen Logistik, was durch das eigene Terminal deutlich wird. Jeder vierte Passagier des Flughafens ist mittlerweile ein Soldat, der auf dem Weg in die Einsatzgebiete von USA und NATO zwischenlandet. Hinzu kommen die Militärtransporte mit den in Leipzig/Halle stationierten Antonov-Maschinen.

Lebenslaute hatte vom 31.08. bis 04.09.11 in der Attac-Villa und einem leer stehenden Einkaufszentrum in Könnern geprobt und sich auf die Aktion vorbereitet. Bereits am Samstag, 3. September, gab Lebenslaute ein gut besuchtes Vorkonzert im Westwerk in Leipzig. Parallel zu der Konzert-Aktion im Flughafen am 4. September führte der Friedensweg e.V. eine Mahnwache auf dem Außengelände durch.

 .

>> Aktionsfotos von Gerd Eiltzer, Leipzig

Die Fotos stehen zur freien Verfügung bei Nennung des Fotografen! Zum Download bitte auf das Bild klicken. Volle Auflösung (ca 6MB) verfügbar.

Demonstrationszug bei der Konzertaktion Lebenslaute am Flughafen Leipzig/Halle

Chor bei einer Fuge von J.S. Bach mit friedenspolitischem Text von Lebenslaute

 

Geigerin bei der Aufführung eines Walzers von Schostakowitsch

Konzertaktion 2011 mit Motiv des Künstlers Jan Caspers

Dirigentin bei der Aufführung von Lacrimosa aus Benjamin Britten während der Konzertaktion

.

Sopranistin singt "Waffenhandwerk schafft nur Unheil" aus dem Alexander-Fest von G.F. Händel

 

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

 .

>> Konzertprogramm

  • Heinrich Schütz, „Wie nun ihr Herren“, Becker-Psalm 58, SWV 155
  • Georg Friedrich Händel, „Waffenhandwerk schafft nur Unheil“, Arie und Chöre aus „Alexander-Fest“, HWV 75
  • Leos Janácek, „Ach Krieg“, JW IV/17 Nr. 3
  • Clara Schumann, „Vorwärts“, 1848
  • Dmitri D. Schostakowitsch, Walzer aus der „Suite für Jazzorchester Nr. 2“, 1938
  • Wolfgang Pasquay, „Über den vier Städten“ aus dem „Friedensoratorium“, 1988
  • Joseph Haydn, zwei Sätze aus „Militärsinfonie“, Nr. 100, 1794
  • Johann Sebastian Bach, zwei Chöre aus Magnificat und Trauungskantate, mit aktionsbezogenem neuem Text
  • Benjamin Britten, „Lacrimosa“ aus „War Requiem“, op. 66
  • Ulrich Klan, „Selig sind die Sanftmütigen“ aus dem „Hrant-Dink-Oratorium“, 2011
  • Kurt Weill, „Hosiannah Rockefeller“ aus „Happy End“ (Nr. 13), 1929

.

>> Presseberichte

Lebenslaute-Konzertaktion am Kriegsflughafen, de.indymedia.org, 13.09.11

Film: Piano und Forte statt Kriegstransporte, graswurzel.tv, 07.09.11

Protest gegen militärische Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle, Radio LOTTE (Weimar), 07.09.11 (Wiederholungen auf Radio Corax/Leipzig und Radio Blau/Halle)

Piano und Forte gegen Kriegstransporte, taz Printausgabe S. 7 (hier: online), 05.09.11

Orchesterprotest gegen Militärtransporte am Flughafen Leipzig/Halle, Hitradio RTL Sachsen, 05.09.11

Fernsehnachricht, MDR Sachsenspiegel 19 Uhr (ab Minute 16:06), 04.09.11 (Download der LL-Nachricht, 0:25 min)

Gegen Militärtransporte – Orchesterprotest am Leipziger Flughafen, MDR Sachsen, 04.09.11

Orchesterkonzert gegen Militärtransporte, mit Fotostrecke, Leipziger Volkszeitung online, 04.09.11 (die dpa-Meldung im Internet auch bei  ovz-online und bild.de/regional/dresden sowie auf der Titelseite der Printausgabe der Magdeburger Volksstimme vom 05.09.11)

Protestieren nach Noten, Neues Deutschland, 03.09.11

Interview mit Marcus Beyer/Lebenslaute (ohne An- und Abmoderation, mp3-Download 17,7 MB), Radio F.R.E.I. (Erfurt), 28.08.11

Interview mit Gerd Büntzly/Lebenslaute, Radio Corax (Leipzig), 17.08.11.

„Klassisches Konzert gegen militärische Nutzung“, Leipziger Internet Zeitung, 08.08.11

 .

>> Material

Pressemitteilung Ankündigung und Aktionsvorbereitung vom 02.09.2011: PM20110902

Pressemitteilung Hintergrund Lebenslaute/Aktion 2011 vom 25.08.2011: PM20110825

Pressemitteilung zum Probewochenende vom 26.06.2011: PM20110626

Ankündigungen: Postkarte und Plakat

Aufruf-Flyer: Flyer selbst ausdrucken oder gedruckte Flyer bestellen

 

In jedem Fall eine gute Idee: Newsletter bestellen

 .

>>Pressekontakte

 

Lebenslaute: Gerd Bünztly (0176 7628 5265)
Friedensweg Leipzig e.V.: Torsten Schleip (0152 066 990 79)

 .

>> Aufruf: Gegen die militärische Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle

 

 

In mehr als 25 Ländern ist Krieg. Deutschland beteiligt sich aktiv an der militärischen Gewalt in Afghanistan. Darüber hinaus ist die Bundeswehr in neun weiteren Krisen und Konflikten im Einsatz. Auf der einen Seite bemerkt man hier kaum etwas davon, auf der anderen Seite durchdringt das Militär immer weitere Bereiche unseres Lebens. So wird ein großer Teil der Militärlogistik mittlerweile auf zivilem Wege, über private Firmen abgewickelt. Dieses so genannte Public-Private-Partnership bedeutet: Private Unternehmen verdienen am Krieg, während die Kriegswirtschaft so tut, als sei sie nicht militärisch.
Fast unmerklich hat sich der Flughafen Leipzig/Halle zu einem großen Kriegsflughafen entwickelt: Während in dem einen Flugzeug Geschäftsreisende sitzen, werden in einem anderen SoldatInnen in Kampfeinsätze geflogen. Stationierte Großraumflugzeuge verfrachten schweres militärisches Gerät in Kriegsgebiete. Die „Feldpost“ für SoldatInnen und tausende Pakete mit militärischer Ausrüstung werden über diesen Flughafen verschickt. Der Flughafen wird von der zivilen Flughafen Leipzig/Halle GmbH betrieben. Mehrheitsgesellschafter mit 94% Anteilen ist die Mitteldeutsche Airport Holding AG, deren AktionärInnen der Freistaat Sachsen, das Land Sachsen-Anhalt und die Städte Dresden, Leipzig und Halle sind.

Wusstet Ihr schon…
dass vom Flughafen Leipzig/Halle jährlich mehr als 450.000 SoldatInnen, vor allem US-Truppen, in Kriegseinsätze geflogen werden?
dass auch die Bundeswehr den Flughafen Leipzig/Halle fest in die eigene Logistik-Struktur eingebunden hat?
dass es am Flughafen Leipzig/Halle kein Nachtflugverbot gibt?
… dass die DHL/Deutsche Post in Afghanistan Niederlassungen hat und Fracht und Briefe zu den Truppen befördert?

Wisst Ihr vielleicht…
.… wie hoch der Anteil der militärischen Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle ist?
… wie sehr die Flughafengesellschaft, d.h. die Länder und Städte von dem Kriegsgeschäft profitieren?
… wie viel die DHL, die Lufthansa Cargo und andere Firmen im Flughafen Leipzig/Halle an den ca. 3 Milliarden Euro verdienen, die der Afghanistankrieg Deutschland jährlich kostet?

Was wir wollen:
Beendigung der militärischen Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle.
Stopp aller Dienstleistungen, die direkt oder indirekt den Krieg unterstützen.
Sofortige Abwicklung der Rüstungsindustrie und der Geschäfte mit Waffenexporten.
Unverzügliche Abschaffung der Bundeswehr, auch in Form einer Freiwilligenarmee.
Abbruch aller militärischen Einsätze und konsequentes Engagement in ziviler Konfliktbearbeitung.
Lasst uns Sand sein im Getriebe der Militär-Maschine!