2018 Köln: Mit Suite und Kantate gegen den Staat im Staate - Geheimdienste abschalten!

20.08.18: BUNDESAMT FÜR VERFASSUNGSSCHUTZ WURDE VIEREINHALB STUNDEN BLOCKIERT
MASSIVE STÖRUNG DES BETRIEBS

+ Pressekontakt über Tel. 0157 8711 4306 und 0160 9261 9994, presse@lebenslaute.net +

Aufruf, Fotos von Vorkonzert/Blockade/Aktionskonzert, Pressemitteilungen: Alle Infos auf AKTION 2018

 

+++ AKTIONSTICKER, Montag, 20.08.18, 5:15 Uhr +++

5:15 Alle Zufahrten und Zugänge zum Bundesamt für Verfassungsschutz sind blockiert. Die Geheimdienstmitarbeiter*innen können ihre Arbeit nicht aufnehmen.

5:17 Lebenslaute beginnt an den fünf Toren mit Konzertmusik.

5:30 Stimmung an den fünf Toren ist ruhig.

5:30 Am Haupttor in der Merianstraße 100 treffen die ersten Mitarbeiter*innen mit PkW ein. Sie drehen ab, als sie sehen, dass das große Haupttor mit einem Banner versperrt ist und davor rund 20 Musiker*innen mit Instrumenten und singend ein Konzert geben.

5:30 Die Polizei kommt mit Einsatzfahrzeugen und sondiert die Lage. Niemand kann das Gelände des Inlandsgeheimdienstes betreten.

5:50 An einem Nebentor fahren nun auch Fahrzeuge von Geheimdienstmitarbeiter*innen vor. Sie sehen, dass auch dort musikalisch dicht ist, und drehen ab.

6:05 Immer mehr Mitarbeiteinde des Geheimdienstes parken vor dem Haupttor, stehen auf dem Parkplatz und kommen nicht zu ihrem Arbeitsplatz. Sie werden von Lebenslaute-Aktivist*innen auf den Grund der Aktion angesprochen und bekommen spezielle Flyer für sie als Mitarbeitende des Geheimdienstes.

6:30  Die Polizei kündigt die Räumung der Blockade am Haupteingang zum Bundesamt für Verfassungsschutz an.

6:33 Polizeikräfte räumen Lebenslaute-Musiker*innen während des Konzerts. Dabei greifen sie einer Violinistin in den Bogen. Cello- und Mandolin-Spieler*innen sowie einige Sänger*innen werden weggetragen.

6:40 Der Zugang für Mitarbeitende, die das Gelände zu Fuß betreten, wurde durch die Polizei geräumt und wird nun durch Polizeifahrzeuge und -bedienstete freigehalten.

6:41 Die deutschesee steht kurz mit LKW vor der Blockade der Hauptzufahrt und fährt dann wieder weg. Sieht so aus, als würde es heute keinen frischen Fisch in der Kantine des Geheimdienstes geben.

7:16 Die Polizei fährt mit einem leeren Polizei-Reisebus vor.

7:40 Immer noch kommen viele PKW zum Haupttor, müssen wenden und sich einen anderen Platz suchen. Zwischenzeitlich stauen sich Autos auf der Merianstraße.

8:40 Die Polizei hat Verstärkung aufgefahren und die Blockade an der Hauptzufahrt gekesselt: Musiker*innen können weder gehen noch hinzukommen.

8:45 Hochdekorierte Polizeibeamte haben das Bundesamt für Verfassungsschutz betreten, um sich mit dem Geheimdienst über das weitere Vorgehen abzustimmen

8:50 Die Blockade vor dem Haupttor wurde trotz Kessel verstärkt: Mittlerweile befinden sich 40 Musiker*innen vor der Hauptzufahrt, die musikalische Verstärkung richtet sich neben dem Polizeikessel zum gemeinsamen Musizieren mit den Eingeschlossenen ein.

8;55 Die Musiker*innen im Kessel haben die erste Aufforderung erhalten die Blockade aufzugeben. Es droht Personalienaufnahme, Platzverweis und bei Nicht-Befolgen die Ingewahrsamnahme.

09:14 Aus internen Gesprächen der Polizei war zu erfahren, dass sie noch nicht wissen, wie sie mit den Instrumenten umgehen sollen und hoffen, dass die Musizierenden nach mehreren Aufforderungen freiwillig gehen.

09:20 Die Polizei hat nun doch mit der Räumung der Hauptzufahrt begonnen. Musizierende, die nicht freiwillig beiseite gegangen sind, werden – zum Teil mit Instrument – weggetragen.

9:50 Die Hauptzufahrt ist geräumt und wird von der Polizei bewacht, damit Verfassungsschutz-Bedienstete zu ihrem Arbeitsplatz kommen können.

9:55 Die Musiker*innen von den anderen Zugängen kommen bei der Hauptzufahrt für ein kurzes gemeinsames Abschlusskonzert mit Chor und Orchester und zusammen

10:05 Zu den Klängen des klassischen James-Bond-Themas erzählen wir die skandalöse Geschichte des hessischen Verfassungsschutz-Mitarbeiters Andreas Temme und seiner Verwicklung in den NSU-Mord an Halit Yozgat.

10:15 Das Konzert ist verklungen, die Blockade-Aktion beendet. Wir kommen, wie lange schon angekündigt, morgen um 10 Uhr wieder, um am Haupttor de BfV unser Aktionskonzert aufzuführen. Hier findet sich das Programm.

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> Verfassungsschutz und alle Geheimdienste abschalten!
> Geheimdienstliche Tätigkeit ausländischer Dienste nicht dulden und Whistleblower*innen schützen!
> Täter*innen, Mittäter*innen und Mitwisser*innen aus Politik und Behörden zur Verantwortung ziehen!
> Schluss mit Unterdrückungs-/ Überwachungsstrukturen in unserem Land!
> Verteidigung und Ausbau demokratischer Rechte!
> Solidarität, Freiheit und Gleichheit statt staatlicher Angstmacherei!

 

Geheimdienste entziehen sich ihrem Wesen nach einer gesellschaftlichen Kontrolle. Das widerspricht der Grundidee von Demokratie. Geheimdienste be­spitzeln und diffamieren, erzeugen ein Klima von Angst und Rassismus, insze­nieren Kriegsgründe und schrecken auch vor Morden nicht zurück. Das ist ihnen möglich, weil sie keiner echten demokratischen Kontrolle unterliegen.
Die heutigen deutschen Geheimdienste Bundesnachrichtendienst (BND), Militä­rischer Abschirmdienst (MAD) und Verfassungsschutz (VS) sind aus Strukturen des Nazi­Faschismus hervorgegangen. So entstanden mit Unterstützung von US-­Geheimdiensten in mehreren NATO­-Staaten auch bewaffnete Untergrund­strukturen („stay behind“), in denen in der BRD alte und neue Nazis zahlreich vertreten waren.
Nach 1989 wurden auf dem Gebiet der ehemaligen DDR auch mit Hilfe des VS Nazigruppen unterstützt. Die Kader des NSU stammten aus dem „Thüringer Hei­matschutz“, der unter anderem über den VS finanziert wurde. Nach der Selbstenttarnung des NSU wurden auch im Bundesamt für Verfas­sungsschutz Akten vernichtet, die die Tätigkeit Dutzender V-­Leute aus dem NSU-­Umfeld dokumentierten. Ein Verfassungsschutzmitarbeiter war nachweis­lich bei dem NSU-­Mord in Kassel am Tatort. Der VS behindert bis heute gerichtliche Ermittlungen, sodass niemand aus dem VS strafrechtliche Konsequenzen fürchten musste. Statt des rechten Milieus wurde jahrelang das Umfeld der Opfer verdächtigt.
Und diese Geheimdienste bekommen immer mehr Geld, Personal, Befugnisse!

 

 

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.LEBENSLAUTE

(other languages‘ introductions follow below)

Z.B. 2012: Blockade der Waffenfabrik Heckler&Koch

Unter dem Namen LEBENSLAUTE engagieren sich seit 1986 bundesweit Musiker_innen, einmal jährlich in Chor- und Orchesterstärke (s. Sommeraktionen), dazwischen auch in kleineren Ensembles regional (s. Regional).

Als offene Musik- und Aktionsgruppe bringen wir überwiegend klassische Musik gerade dort zum Klingen, wo dies nicht erwartet wird: auf Militärübungsplätzen und Abschiebeflughäfen, vor Atomfabriken und Raketendepots, in Ausländerbehörden und an anderen menschenbedrohenden Orten.

Bei der Wahl unserer Konzert-Orte lassen wir uns nicht durch herrschende Vorschriften einschränken. Im Gegenteil: Lebenslaute-Aktionen suchen die politische Konfrontation durch angekündigten und bewussten Gesetzesübertritt. Seriöse Konzertkleidung unterstreicht unser konzentriertes Auftreten. Wo es geht, versuchen wir, lokale Protestbewegungen zu stärken. (mehr über uns…) .

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Going by the name of „LEBENSLAUTE“ (Life Sounds) musicians from all over Germany have been gathering annually since 1986 to form a full chorus and symphonic orchestra. On a regional basis there have been smaller but more frequent projects.

We are an open group combining music with social action and perform mainly classical music in public places where this is not usually expected: on the grounds of military training areas, inside the halls of airports to prevent deportations, at nuclear production plants and rocket depositories, as well as the offices of the Department of Alien Residency and other places where human life is threatened.

In our choice of concert locations we are not swayed by official regulations; on the contrary Lebenslaute  actions seek confrontation through previously announced and conscious civil disobedience. Our serious concert attire highlights the legitimacy of our concern. Whenever possible we strive to strengthen and support local protest movements.

We prepare ourselves cooperatively and intensely for our concert actions and act in a united fashion. Each participant is responsible for himself/herself and decides to what degree he/she is willing to actively disobey the laws and regulations involved. Our decisions are made on the basis of mutual consent / grassroots democracy, the needs and concerns of all participants are taken into account. Those faced with possible legal ramifications are supported by the mutual solidarity of the Lebenslaute network and other cooperating groups.