Baden-Württemberg 2022

Baden-Württemberg 2022

08.05.2022 Tag des Kriegsende in Ulm

Am Sonntag, dem 8. Mai, 77 Jahre nach Ende des 2.Weltkriegs und der Befreiung vom national- sozialistischen Terror, gedachten Mitglieder der Musikgruppe Lebenslaute und Ulmer Bürger*innen der Kinder von jüdischen und osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen, die während der NS-Diktatur und noch nach Kriegsende in und um Ulm gestorben und auf dem Ulmer Hauptfriedhof verscharrt wurden. Bis heute fehlt eine Gedenktafel. Die Lebenslauten erinnerten mit einem differenzierten und unter die Haut gehenden Vortrag der Mauthausen Kantate (Text: Iakovos Kambanellis [ein Mauthausen Überlebender] / Musik: Mikis Theodorakis) an das vergangene Leid der Opfer. Chris Werneke brachte seine Betroffenheit darüber zum Ausdruck, dass Holocaustüberlebende nun durch den Krieg in der Ukraine erneut zu Opfern werden. Dann erinnerte  er mit dem Lesen der Kindernamen an jedes einzelne Leben und beschrieb bei einem Gang zum Gräberfeld ausführlicher das Schicksal verschiedener Ulmer jüdischer Familien.

Die Musiker*Innen der Musik- und Aktionsgruppe Lebenslaute und ein Teil des Publikums zog weiter zur Wilhelmsburgkaserne, dem NATO-Hauptquartier JSEC. Unter dem Motto „Schlussakkord dem Drohnenmord“ protestierten sie gegen Militarismus und Krieg als Mittel der Politik.  Der Ulmer Theologe Rainer Schmid zeigte in seiner Rede auf, dass das NATO-Hauptquartier JSEC eine militärische Drehscheibe für militärische Manöver in Europa ist und dass durch die „Defender“- Manöver Ängste und Aggressionen geschürt und Unsummen von Geld, die im zivilen Bereich fehlen, verschlungen werden.

Rainer Schmid wünscht sich Konversion für die Wilhelms- burgkaserne (JSEC) in Form einer Friedensuniversität, Wohnungen oder Freizeitpark.

Hedwig Sauer-Gürth von Lebenslaute sprach das unermesslich große Leid der Menschen im Ukraine-Krieg an. Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine sei eindeutig ein Bruch des Völkerrechts. Sie zitierte die Grundsatzerklärung der War Resisters International (WRI) von 1921: „Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Ich bin daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterstützen und an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitzuarbeiten.“ Der Forderung „Frieden schaffen nur ohne Waffen“ gaben die Lebenslauten Ausdruck unter anderem mit Chorälen von Johann Sebastian Bach und Heinrich Schütz, Kammermusik von Anton Dvorak und dem Chanson „Le Deserteur“ von Boris Vian.

19.02.2022 München

Am 19.02.2022 haben Musiker*Innen von Lebenslaute Bayern und Lebenslaute Baden-Württemberg – mit gesanglicher Unterstützung von Sänger*Innen des Attac-Chor Münchens – ein musikalisches Zeichen gegen die sogenannte SIKO (Sicherheitskonferenz) gesetzt.

In Wahrheit trafen sich auf der sogenannte SIKO 30 Staats- und Regierungschefs (z.B. Olaf Scholz, Wolodymyr Selenskyj, Kamela Harris), 100 Minister (Annalena Baerbock, Christine Lambrecht, Florence Parly, Ben Wallace), sowie die Chefs der wichtigsten internationalen Organisationen wie der UN, NATO (Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg) und EU (Ursula von der Leyen, der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell, der EU-Ratsvorsitzenden Charles Michel) mit Generälen und Lobbyisten von Waffenkonzernen um darüber zu sprechen, wie man mit Krieg noch mehr Geld in die Taschen der Konzernchefs spülen kann.
Eröffnet wurde die Konferenz von UN-Generalsekretär António Guterres.

Wir von der Gruppe Lebenslaute haben in der Fußgängerzone in München musikalisch auf das grausame Unrecht, dass von der SIKO ausgeht, aufmerksam machen wollen.

Und auch ein bisschen geträumt:
Hier spricht Radio Bayrische Hof: Wie wir soeben erfahren haben, wurde auf der SIKO beschlossen, dass alle Waffen weltweit vernichten werden sollen. Wir wollen Sicherheit ohne Kriege und ohne Waffen, denn nur so kann man Frieden schaffen.“
Die Kinder der Regierungschefs und der Außenminister*Innen von der Ukraine und Russland sind nach München gekommen und spielen miteinander. Sie zeigen den Erwachsenen, wie man Frieden lebt.“

Unser Repertoire umfasste die Lieder:
„Sollt in Frieden Leben“, „Lebenslaute-Kanon“, „Artikel 1, „Meinst du die Russen wollen Krieg?“, „Guantanamera“, „Le déserteuer“, „Wie nun ihr Herren“, „Wohl denen, die da wagen“, Wer wahren Frieden will entfalten“

Es blieben viele Passanten stehen und wir erhielten viel Zuspruch für unsere Art von Widerstand, auch von den Beteiligten der Menschenkette, die gegen die SIKO durch die Fußgängerzone zog.
Wir hoffen, dass wir doch die Aufmerksamkeit von etlichen Leuten gewonnen haben und sie zum Nachdenken über die sogenannte SIKO gebracht haben.