2019 Nostorf-Horst: Wir öffnen das Tor mit Orchester und Chor

Lager auflösen! Menschenrechte verteidigen!

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Aktionswoche:  13.-18. August 2019, Alt Jabel
Vorkonzert:
  Freitag, 16. August 2019, 11 Uhr, vor Staatskanzlei in Schwerin
Aktionskonzert: Samstag, 17. August 2019, 16 Uhr auf dem zentralen Platz in der Erstaufnahmeeinrichtung Nostorf-Horst
Konzert und Kundgebung:  Sonntag, 18. August 2019,  12 Uhr, Erstaufnahmeeinrichtung Nostorf-Horst

 

>> Aktionsticker mit Fotos

Fotos und Videos stehen zur freien Verfügung bei Nennung der UrheberIn Lebenslaute (falls nicht anders angegeben).
— Konzert und Kundgebung am Sonntag 18.8. (standard resolution)
— Konzertaktion im Lager Horst am 17.8. (standard resolution)
— Vorkonzert an der Staatskanzlei in Schwerin am 15.8. (standard resolution / high resolution)

Konzert und Kundgebung, 18.08.2019, vor dem Erstaufnahmelager Nostorf-Horst

9:00 Polizei ist mit 15 Mannschaftswagen vor Ort und verwehrt zunächst den Materialtransport zum Kundgebungsgelände mit Fahrzeugen. Bühne, Regenschutz, Tische und Bänke sollen 200 m weit getragen werden. Der Kundgebungsort ist eingezäunt, ein Teil des Kundgebungsortes (Parkplatz vor dem Lager ist mit Baumaterial belegt.

10:30 Nach langwierigen Verhandlungen wurde ein Kompromiß mit der Polizei gefunden. Die Bühne darf nicht im Erdreich abgespannt werden, kein Transparent darf an einem Baum oder Zaunelement befestigt werden.

12:00 Beginn unseres Konzertes wird auf 12:30 Uhr verschoben, da es gerade stark zu regnen begonnen hat und die BewohnerInnen der Erstaufnahmeeinrichtung noch zu Mittag essen.

12:36 „Machet die Tore weit!“ Mit der Psalmvertonung von Andreas Hammerschmidt beginnen wir unser Konzert vor der Erstaufnahmeeinrichtung. Es folgt eine Neubearbeitung der Kantate „Alles was ihr tut“ von Dietrich Buxtehude: „Reißt die Grenzen ein.“

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12:50 Ein ernstes Stück mit Symbolkraft: Der erste Satz aus Schuberts Unvollendeter. Der Regen hat aufgehört und die Menschen können das Konzert genießen.

12:55 Unter den circa 50 Zuhörern/innen sind weniger BewohnerInnen als am Tag zuvor. Möglicherweise wirkt die starke Polizeipräsenz einschüchternd und abschreckend. Laut unseren Informationen wird jeder Durchgang durch das Tor registriert.

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13:07 Auch Petrus hat Gefallen an unseren Klängen, schiebt die Wolken leicht beiseite und läßt die Sonnen blinzeln. Dazu das Psalmlied von Heinrich Schütz „Wie nun Ihr Herren“.

13:20 Auch auf der Innenseite des Zaunes stehen BewohnerInnen des Lagers, die sich nicht heraus trauen aber Gefallen an unserer Musik und Aktion finden. Wir erkennen Menschen wieder, die gestern mit uns im Lager getanzt haben.

13:30 BewohnerInnen aus dem Lager kommen zu uns und erzählen uns von der unzureichenden medizinischen Versorgung in der Erstaufnahmeeinrichtung, zeigen uns Bilder von kleinen Zimmern in denen sie mit 5 Personen unterschiedlicher Herkunft und Relegion wohnen.

 

Aktionskonzert, 17.08.2019, in der Erstaufnahmeeinrichtung Nostorf-Horst

(18.08.19) Aufgrund ordnungsrechtlicher Vorgaben mußten wir Fotos wieder von der Seite nehmen, auf denen BewohnerInnen der Erstaufnahmeeinrichtung Nostorf-Horst abgebildet sind. Wir werden die Gesichter der Bewohnerinnen unkenntlich machen und wieder online stellen.

16:05 Eine kleine Lebenslaute-Gruppe fährt am Haupttor des Lagers vor und fängt an Musik zu machen.

16:15 Lebenslaute Überwindet an anderer Stelle den Zaun zum Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung Nostorf-Horst, mit über 70 MusikerInnen im Alter zwischen 13 und 83 Jahren, mit Pauke, Cello und Kontrabaß.

Lebenslaute überwindet den Zaun, 17.8.2019

Lebenslaute überwindet den Zaun, 17.8.2019

..l sammelt sich und , 17.8.2019

… betritt das Lager Horst, 17.8.2019

16:25 Laut singend „Es tönen die Lieder… wir singen und spielen wo immer wir woll’n“ betritt Lebenslaute den zentralen Platz der Erstaufnahmeeinrichtung und spielt ab 16:30 Konzertmusik. Aus den umliegenden Häusern strömen viele der Geflüchteten heran, anderen öffnen die Fenster.

Lebenslaute spielt Verdis „Chor der Gefangenen“ aus Nabucco, 17.8.2019

Lebenslaute singt „Wie nun ihr Herren, seid ihr stumm?“, 17.8.2019

16:30 lebenslaute singt „Wie nun ihr Herren, seid ihr stumm?“. Eine Mitarbeiterin des Wachschutzes versucht, lautstark schimpfend, einige der aufgehängten Transparente herunterzureißen. Das letztere bleibt ein Einzelfall.

16:35 Das Publikum wird in einigen der Sprachen der Geflüchteten begrüßt, u.a. englisch, französich, arabisch, dari, russisch, castellano und tigrinisch.

16:40 Nach jedem Stück werden die Forderungen an das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Bundesrepublik Deutschland in einer der Sprachen vorgetragen und mit viel Applaus begrüßt.

16:45 Besonders viel Applaus spenden die Bewohnerinnen nach „Slogans for the Rights“ (Lebenslaute) sowie Volksliedern aus verschiedenen Ländern.

16:50 Der Wachschutz bewacht die Zugänge zu den Häusern. Die BewohnerInnen genießen die ruhige und entspannte Konzertatmosphäre.

16:55: Ein Bewohner bittet um Hilfe. Im Laufe der Zeit kommen mehrere BewohnerInnen auf Mitglieder der Lebenslaute, insbesondere mit der Bitte nach Uneterstützung bei medizinischer Versorgung und aufenthaltsrechtlichen Fragen.

16:55 Erneut heftiger Applaus zum Musikstück „Ederlezi“, einem traditionellen, romanischen Lied.

16:57 Ein Streifenwagen fährt auf das Lagergelände, besetzt mit zwei Polizisten. Wenige Minuten später teilt die Polizei dem Polizeikontakt mit, dass das Konzert zuende gespielt werden kann.

17:05 Ein Bewohnerin stellt sich zum Sopran dazu und versucht mitzusingen.

Eine Lagerbewohnerin singt begeistert im Sopran mit, 17.8.2019

Lebenslaute bekommt viel Applaus nach „Slogans for the Rights“ von Lebenslaute, 17.8.2019

17:10 Das Publikum ist bunt gemischt: Babys, Kinder, Jugendliche, junge Mütter & Männer, ein alter Mann mit Rollator.

17:28 Lebenslauteorchester spielt nun Tänze. Der Chor tanzt gemeinsam mit den BewohnerInnen. Ein glücklicher Moment in dem tristen Alltag der Geflüchteten. Viele bedanken sich herzlich, daß wir hierher zu ihnen gekommen sind.

Lebenslaute spielt Dworaks slawischen Tanz. Der Tanz beginnt., 17.8.2019

„und alle Tanzen mit“ von Lebenslaute, 17.8.2019

Sängerin tanzt mit Lagerbewohnerin, 17.8.2019

und überwindet Grenzen, 17.8.2019

17:46 Das Konzert der Lebenslaute endet mit dem Slawischen Tanz „Furiant“ von Antonin Dvorák.

Beifall des Publikums nach dem slawischen Tanz, 17.8.2019

Gemeinsames Tanzen zu Volksliedern, 17.8.2019

17:50 Die BewohnerInnen bringen eigene Musik, die über die Verstärkertechnik von Lebenslaute abgespielt wird. Es wird weiter getanzt und geklatscht. Es kommt zu einer Reihe von unerwarteten Begegnung am Samstagnachmittag!

Das Interesse der Kinder an den Instrumenten ist unverkennbar …, 17.8.2019

… und schließlich trauen sie sich die Seite zu zupfen., 17.8.2019

17:58 Lebenslaute verläßt das Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung Nostorf-Horst durch das Haupttor und singt „Es tönen die Lieder… wir singen und spielen wo immer wir woll’n“.

Abzug nach einem gelungenen Konzert, 17.8.2019

Lebenslaute Fordert „Lager Horst schließen!“, 17.8.2019

Säule auf dem Gelände des Lagers. Eine Karrikatur des Alltags., 17.8.2019

Lebenslaute verläßt das Lager Nostorf-Horst, 17.8.2019

18:20 Eine Polizeieinheit aus Schleswig-Holstein ist bereits eingetroffen, um dem Ersuchen des „Landesamt für innere Verwaltung Meklenburg-Vorpommern, Amt für Migration und Flüchtlingsangelegenheiten“ nach Personalienfestellung aufgrund eines Hausfriedensbruchs nachzukommen. Sie blockiert alle Zufahrten zum Lager und nimmt die Personalien auf.

Es sei angemerkt, dass im Lager Horst die Türen nicht abgeschlossen werden dürfen und die Polizei immer wieder das komplette Lager nachts durchsucht nach Personen, die abgeschoben werden sollen. Nun wird aber Lebesnlaute vorgeworfen, den Hausfrieden gebrochen zu haben.

18:40 Während ein Teil bereits weiterfahren konnte, traf eine weitere Einheit der Polizei aus Meklenburg-Vorpommern ein, die dann eine „kleine Verkehrskontrolle“ durchgeführt hat. Die MusikerInnen der Lebenslaute überbrücken die Zeit mit Liedern und Musik und schütteln fassungslos den Kopf.

MusikerInnen von Lebenslaute während der Polizeikontrolle, 17.8.2019

Eine ganz normale Personalienfeststellung, 17.8.2019

20:00 Die letzten Fahrzeuge von Lebenslaute können weiterfahren.

 

Vorkonzert, 16.08.2019, vor der Staatskanzlei Schwerin

Alle 70 MusikerInnen haben auf der Bühne Platz gefunden.

Schwungvoll und konzentriert leitet die Dirigentin Chor und Orchester.

Gut, dass wir so viele Cellisten haben!

Und in letzter Minute fand sich noch ein Kontrabass!

Wölkchen überm Schweriner Schloss…

Doch das Konzert geht trocken über die Bühne!

Tolles Transparent!

Der Hut der Dirigentin wird nicht zum Regenhut! 🙂

Kraftvolle Musik mit Blick auf das Schweriner Schloss.

Hier zeigen sich vier der über hundert Zuhörenden!

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>> Medienberichte

Singen, bis die Knüppel kommen, der Freitag, Ausgabe 37/2019
Lebenslaute im Flüchtlingslager, DKP Rheinland-Westfalen, 02.09.2019
Lebenslaute im Flüchtlingslager, DKP Köln, 02.09.2019
Abgeschnitten vom Rest der Welt (pdf), Neues Deutschland, 20.08.2019
— Protestkonzert für Flüchtlingsrechte, Schweriner Volkszeitung, 19.08,2019
Solikonzert für Geflüchtete – Aktion der Künstlergruppe Lebenslaute in Horst (pdf), Neues Deutschland, 18.08.2019
Nostorf-Horst ist ein Skandallager für Geflüchtete, Junge Welt, 17.08.2019
Musiker-Demo gegen Zustände in Erstaufnahme, NDR, 16.08.2019

 

>> Pressemitteilungen

PM 14.8.2019 Vorankündigung des Lebenslaute Aktionskonzerts
PM 15.8.2019 Ankündigung des Lebenslaute Vorkonzerts
PM 16.8.2019 Lebenslaute-Vorkonzert vor Staatskanzlei Schwerin
— PM 17.8.2019 Lebenslaute Konzertaktion im Lager Horst trotz Verbot
PM 18.8.2019 Lebenslaute Abschluss der Aktionstage am Lager Horst
PM 30.8.2019 Lebenslaute Widerspruch und Gesprächsangebot an das Innenministerium MV

 

>> Material

Programmheft 2019 zum Download
Rede Lebenslaute Vorkonzert Schwerin_20190816
Brief an das Innenministerium Mecklenburg Vorpommern vom 29.8.2019

 

>> Aufruf

Aufruf-Flyer
Plakat
Postkarten-Vorderseite
Postkarten-Rückseite

Materialbestellung: flyerorder2019@lebenslaute.net

Wir öffnen das Tor mit Orchester und Chor
Lager auflösen! Menschenrechte verteidigen!

Das Erstaufnahmelager Nostorf-­Horst ist für Geflüchtete ein lebensfeindlicher Ort. Eingerahmt von Wald, vier Kilometer entfernt von den nächsten Einkaufsmöglichkeiten, müssen dort Menschen zwangsweise drei, vier Monate, ja manchmal mehr als ein Jahr in Tatenlosigkeit und in einem angstvollen Wartezustand leben. Die Menschen werden mit ihrer traumatischen Vergangenheit alleingelassen. Es gibt kaum Kontaktmöglichkeiten und Begegnungen zur lokalen Bevölkerung. Essen wird zentral geliefert, selbst zu kochen ist nicht erlaubt. Die medizinische Versorgung ist völlig unzureichend, genauso wie Angebote für Kinder ­ insbesondere die aus Mecklenburg­-Vorpommern zugewiesenen Kinder können nicht einmal zur Schule gehen und verlieren so wertvolle Lebenszeit. Die hygienischen Verhältnisse sind unzureichend, es herrschen Dauerlärm, erzwungene Untätigkeit und Langeweile, eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten… und immer wieder die große Angst, nachts unbemerkt abgeschoben und in erneute Unsicherheit außer Landes gebracht zu werden. Und tatsächlich verschwinden die meisten, ohne etwas von der zivilgesellschaftlichen Willkommenskultur mitbekommen zu haben. Insbesondere für Kinder, Frauen und sexuelle Minderheiten gibt es keinen angemessenen Schutz. Viele Bewohner*innen empfinden ihre Situation dort wie in einem großen Freiluft-Gefängnis. Nostorf­-Horst wird der zivilgesellschaftlichen Kontrolle von unabhängigen Unterstützungsstrukturen bewusst entzogen, für kritische NGOs besteht sogar Hausverbot. Sie können höchstens Beratung vor den Toren des Lagers durchführen, bei etwas größerem Andrang sogar nur im Freien, ohne Schutz vor Sonne oder Regen.Nostorf-Horst hat sich (in Kombination mit dem anderen Lager Stern Buchholz im Süden von Schwerin) zum Prototyp eines sogenannten Ankerzentrums entwickelt, wie es Bundesinnenminister Seehofer vorschwebt: Geflüchtete werden zu einer „Weltlosigkeit“ (Hannah Arendt) degradiert, indem man ihnen ihre Hoffnung auf Heimat, Zugehörigkeit, menschliche Gemeinschaft nimmt.Seit mehreren Jahren versuchen Organisationen, u.a. die Flüchtlingsräte von Hamburg und Mecklenburg­Vorpommern, mit monatlichen Beratungen diese gewollte Isolation zu durchbrechen. Seit einigen Monaten gibt es monatliche Mahnwachen. Um weiter Aufmerksamkeit und Druck an diesem abgelegenen Ort aufzubauen, will Lebenslaute auf dem Gelände musizieren.

Wir fordern Menschenwürde für Geflüchtete!
Das ist in Horst nicht möglich, daher:
Lager Horst auflösen! Menschenrechte verteidigen!

 

 

>> Konzertprogramm 2019

Kommentiertes Programmheft

Andreas Hammerschmidt: Machet die Tore weit
Dietrich Buxtehude: Reißt die Grenzen ein (Kantate „Alles was ihr tut“)
Franz Schubert: Sinfoniesatz h-moll aus der „Unvollendeten“
Michael Tippett: Let my people go, aus: A Child of Our Time
Giuseppe Verdi: Chor der Gefangenen, aus: Nabucco
Axel Christian Schullz: Menschenrechte-Kanon
We shall overcome
Fadhil Mdawida: Malaika
Ya Sitti ya Khtiara – El Porompompero
Pa ro ro
Ederlezi
Antonin Dvorak: Furiant, aus den Slawischen Tänzenmaterial

 


>> Wir suchen…

Lebenslaute ist offen für übefreudige Musiker*innen aller Chor­- und Orchester­stimmen, Laien und Profis! Nicht musizierende Aktionsunter­stützer*innen sind ebenso willkommen!
Musikaktivist*innen können sich unabhängig von den jährlich überregionalen Aktionswochen auf unseren zweisprachig deutsch-englischen E-Mail-Newsletter (bis 10-mal jährlich) eintragen, Kontakt zu unseren Regionalgruppen aufnehmen und Vorschläge für zukünftige Aktionsthemen und -orte schreiben.