2019 Nostorf-Horst: Wir öffnen das Tor mit Orchester und Chor

Lager auflösen! Menschenrechte verteidigen!

+ Pressekontakt über Tel. 0157 8711 4306 und 0160 9261 9994, presse@lebenslaute.net +

Aktion | Aktionsticker und -Bericht | Fotos | Medienberichte | Material (u.a. Mitteilungen) | Aufruf | Konzertprogramm | Wir suchen

 

Aktionsvorbereitungs- und Probewochenende: 14.-16. Juni 2019, Waltershausen (TH)

Aktionstage: 13.-18. August 2019 (Anreise 12.08., Abbau 19.08.), Alt-Jabel (MV)
Vorkonzert:
16. August 2019, vor dem Innenministerium in Schwerin
Konzertaktion:
am Wochenende, Erstaufnahmelager Nostorf-Horst (MV)

Unsere diesjährige Aktion erfolgt in Kooperation mit PRO BLEIBERECHT, einem landesweiten Netzwerk von Geflüchteten und Unterstützer*innen in ganz Mecklenburg-Vorpommern.

Das Erstaufnahmelager Nostorf-Horst bei Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern (MV, Karte: hier) ist eine ehemalige DDR-Grenzschutzkaserne im äußersten westlichen Zipfel des Bundeslandes. Es liegt isoliert mitten im Wald und ist an der menschlichen Gesellschaft infrastrukturell nur unzureichend angebunden. Viele Bewohner*innen, die über Monate, manchmal Jahre dort ausharren müssen, empfinden diese Einrichtung als „offenes Gefängnis“. Wöchentlich finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit Abschiebungen statt, die sozialen, gesundheitlichen und materiellen Bedürfnisse werden nur minimal erfüllt. Kindern wird der Schulbesuch verwehrt, die medizinische Versorgung ist dort zusammengebrochen. Horst steht nicht nur für die gewollte Isolierung von Geflüchteten, sondern entwickelt sich zunehmend als eine „totalitäre Insel“ in einem demokratischen Gemeinwesen. Kritischen NGOs wird regelmäßig verboten, das Gelände zu betreten (Hausverbot).

Eingerichtet wurde dieses Flüchtlingslager als Reflex auf die Pogrome in Lichtenhagen/Rostock in den 90iger Jahren. Seitdem gibt es immer wieder Proteste der Bewohner*innen und ihrer noch wenigen Unterstützer*innen gegen diese menschenfeindlichen Zustände. Seit 1 1/2 Jahren läuft von Pro Bleiberecht initiiert die landesweite Kampagne „Horst schließen“. Horst steht als Prototyp für die von der Regierung beabsichtigten ANKER-Zentren mit der Zermürbungsstrategie für Geflüchtete.
(Text: PRO BLEIBERECHT)


> Aktionsticker und -bericht (Pressemitteilungen hier, Fotos hier)


>> Fotos

Fotos stehen zur freien Verfügung bei Nennung der UrheberIn (Lebenslaute, falls nicht anders benannt).


>> Medienberichte

Aktionsberichte

Vorberichte


>> Material

Pressemitteilungen

Mobilisierung
Faltblatt Lebenslaute 2019
Plakat Lebenslaute 2019
Postkarte Lebenslaute 2019
Bestellwunsch des Druckflyers gerne mailen an flyerorder2019@lebenslaute.net.

In der Aktionswoche Vorgetragenes/eingesetzte Schriftstücke:
Vorkonzert-Programm
Handzettel für Mitarbeiter_innen


>> Aufruf

Wir öffnen das Tor mit Orchester und Chor
Lager auflösen! Menschenrechte verteidigen!

Das Erstaufnahmelager Nostorf-Horst ist für Geflüchtete ein lebensfeindlicher Ort. Eingerahmt von Wald, vier Kilometer entfernt von den nächsten Einkaufsmöglichkeiten, müssen dort Menschen zwangsweise drei, vier Monate, ja manchmal mehr als ein Jahr in Tatenlosigkeit und in einem angstvollen Wartezustand leben. Die Menschen werden mit ihrer traumatischen Vergangenheit alleingelassen. Es gibt kaum Kontaktmöglichkeiten und Begegnungen zur lokalen Bevölkerung.

Das Essen wird zentral geliefert, selbst zu kochen ist nicht erlaubt. Die medizinische Versorgung ist völlig unzureichend, genauso wie Angebote für Kinder – insbesondere die aus Mecklenburg-Vorpommern zugewiesenen Kinder können nicht einmal zur Schule gehen und verlieren so wertvolle Lebenszeit. Die hygienischen Verhältnisse sind unzureichend, es herrschen Dauerlärm, erzwungene Untätigkeit und Langeweile, eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten…. und immer wieder die große Angst, nachts unbemerkt abgeschoben und in erneute Unsicherheit außer Landes gebracht zu werden. Und tatsächlich verschwinden die meisten, ohne etwas von der zivilgesellschaftlichen Willkommenskultur mitbekommen zu haben. Insbesondere für Kinder, Frauen und sexuelle Minderheiten gibt es keinen angemessenen Schutz. Viele Bewohner*innen empfinden ihre Situation dort wie in einem großen Freiluft-Gefängnis.

Nostorf-Horst wird der zivilgesellschaftlichen Kontrolle von unabhängigen Unterstützungsstrukturen bewusst entzogen, für kritische NGO’s besteht sogar Hausverbot. Sie können höchstens Beratung vor den Toren des Lagers durchführen, bei etwas größerem Andrang sogar nur im Freien, ohne Schutz vor Sonne oder Regen.

Nostorf-Horst hat sich (in Kombination mit dem anderen Lager Stern Buchholz im Süden von Schwerin) zum Prototyp eines sogenannten Ankerzentrums entwickelt, wie es Bundesinnenminister Seehofer vorschwebt: Geflüchtete werden zu einer „Weltlosigkeit“ (Hannah Arendt) degradiert, indem man ihnen ihre Hoffnung auf Heimat, Zugehörigkeit, menschliche Gemeinschaft nimmt.

Seit mehreren Jahren versuchen Pro Bleiberecht und die Flüchtlingsräte von Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, mit monatlichen Beratungen diese gewollte Isolation zu durchbrechen. Seit einigen Monaten gibt es monatliche Mahnwachen von Pro Bleiberecht. Um weiter Aufmerksamkeit und Druck an diesem abgelegenen Ort aufzubauen, will Lebenslaute auf dem Gelände musizieren:

Wir fordern Menschenwürde für Geflüchtete!
Das ist in Horst nicht möglich, daher:

Lager Horst auflösen! Menschenrechte verteidigen!


>> Konzertprogramm 2018
Es erklingt Musik von Buxtehude, Schubert, Dvorak und Verdi sowie ein Lied aus einem Herkunftsland der Geflüchteten.

Programmheft 2019 zum Download


>> Wir suchen jedes Jahr…

Lebenslaute ist offen für übefreudige Musiker*innen aller Chor­- und Orchester­stimmen, Laien und Profis! Nicht musizierende Aktionsunter­stützer*innen sind ebenso willkommen!
Musikaktivist*innen können sich unabhängig von den jährlich überregionalen Aktionswochen auf unseren zweisprachig deutsch-englischen E-Mail-Newsletter (bis 10-mal jährlich) eintragen, Kontakt zu unseren Regionalgruppen aufnehmen und Vorschläge für zukünftige Aktionsthemen und -orte schreiben.